Tutorial

Mit Reverse Image Search Bilder überprüfen, Fakes entlarven und mehr

Suchmaschinen können nicht nur nach Stichworten suchen, sondern auch nach Bildern. Diese umgekehrte Bildersuche ist für ganz viele Zwecke hilfreich, beispielsweise um Fake News in den sozialen Medien zu überführen.

Reverse Image Search bedeutet auf Deutsch so viel wie «umgekehrte Bildsuche». Dabei wird das Internet nicht nach einem Stichwort durchsucht, sondern nach einem Bild. Einerseits hat man dadurch die Möglichkeit, ein gesuchtes Bild in höherer Auflösung zu finden. Viel wichtiger ist aber, dass mittels Reverse Image Search weitere Information zu einem Bild herausgefunden werden können, zum Beispiel Ursprung und Urheber. So können Trolls und Fakes schnell entlarvt werden.

Die wohl bekannteste Anwendung für Reverse Image Search ist Google Images. Diese funktioniert wie die normale Google Suche, einfach mit Bildern. Dafür klickt man auf das Kamera-Icon neben dem Suchfeld. Nun kann man per URL oder Upload nach Bildern suchen.

Aber: Trotz seiner Bekanntheit ist Google Images bei weitem nicht das beste Tool, um Reverse Image Search zu betreiben. Die beste Alternative ist die russische Suchmaschine Yandex. Wer Bedenken bei der Nutzung von Yandex hat, sollte auf Bing oder TinEye zurückgreifen.

💡 Tipp: Im Chrome Browser ist es zusätzlich möglich, direkt per Rechtsklick nach einem Bild zu suchen. Dazu wählt man «Mit Google nach Bild suchen».

Noch besser ist das Plugin RevEye für Chrome und Firefox. Auch hier kann per Rechtsklick nach Bildern gesucht werden, allerdings werden hier gleich alle möglichen Browser und Dienste, welche eine Reverse Image Search anbieten, aufgelistet.

Bei TinEye sollte jedoch erwähnt werden, dass dieses Tool anders funktioniert als herkömmliche Tools zur Bildsuche. Hier werden Pixel verglichen und nur bereits existierende Bilder im Internet gesucht. Mit einmaligen Handyaufnahmen kann TinEye wenig anfangen, da es nicht erkennt, was sich auf dem Bild effektiv befindet.

Welche ist die beste Suchmaschine für Reverse Image Search?

Um nun die Tauglichkeit der jeweiligen Suchmaschinen herauszufinden, treten sie in einem kurzen Praxistest gegeneinander an. Im Rennen sind Google Images, Bing und Yandex.

Drei Runden, drei Bilder, für jedes Runde wird ein Punkt verliehen. Am Schluss werden die drei Suchmaschinen verglichen und ein Gewinner bestimmt, der sich am besten für die Reverse Image Search eignet.

Test 1: Falsches Corona-Sargbild

In den sozialen Medien kursiert Mitte März 2020 ein Bild, welches aneinandergereihte Särge in einer grossen Halle zeigt. Die Bildunterschrift lautet: «Auch Deutschland wird sich an dieses Bild gewöhnen müssen. Erst recht, wenn weiterhin alle Beschlüsse mit Füßen getreten werden. BITTE BLEIBT ZUHAUSE, WENN IHR WEITER LEBEN WOLLT.» Das Bild vermittelt den Eindruck, dies seien Opfer des Coronavirus in Italien. Es wurde 2’000 Mal geteilt.

Schnell wird das Bild jedoch als Fake entlarvt. Hier handelt es sich nämlich nicht um Opfer des Coronavirus. Das Bild stammt von 2013 und zeigt Ertrunkene auf Lampedusa, nachdem ein Schiff mit Flüchtlingen gesunken ist.

Ergebnisse von Google Images:

Die Suchergebnisse zu obigem Bild auf Google sind – schlecht. Nicht nur die optisch ähnlichen Bilder haben wenig mit dem gesuchten Bild zu tun (ausser, dass die gezeigten Gegenstände ebenfalls aus Holz sind), Google schlägt aus irgendeinem Grund als mögliche verwandte Suchanfrage das Wort «Abbild» vor.

Auch die Tweets, in denen das gesuchte Bild vorkommt, haben alle mit der Falschmeldung über Corona zu tun. Nach dem Originalbild von Lampedusa aus dem Jahr 2013 sucht man bei den Google-Ergebnissen vergeblich. Hier würde zu viel Zeit verloren gehen, bis man das Originalbild gefunden hat.

Ergebnisse von Bing:

Weitaus brauchbarer sind die Ergebnisse bei Bing. Auf mehreren Bildern fällt der Begriff «Lampedusa», wodurch schnell klar wird, dass das gepostete Bild auf Facebook ein Fake sein muss und keine Corona-Opfer in Italien zeigt.

Ergebnisse von Yandex:

Auch Yandex hat keine Probleme, den Ursprung des Bildes herauszufinden und zeigt ebenfalls als erstes Beispiel den Link von GettyImages. Im Vergleich zu TinEye ist hier die Darstellung etwas übersichtlicher und man kann den ganzen Text des Links auf den ersten Blick lesen.

Die Punkte in dieser Runde gehen an Bing und Yandex. Somit steht es zurzeit:

Google: 0
Bing: 1
Yandex: 1

Test 2: Foto eines Toyota Corola

Das nächste Bild ist etwas kniffliger, da es sich um eine einmalige Fotografie eines Toyota Corolla handelt. Die Webseiten müssen sich auf die Formen des Autos stützen und so möglichst nahe an das Original herankommen. Mal sehen, wie sich Google und Co. In diesem Test geschlagen haben.

Ergebnisse von Google Images:

Google leistet beim Corolla schon bessere Arbeit als beim vorigen Test. Es erkennt, dass es sich im Bild um einen Kombi handelt und schlägt als erstes Bild sogar einen Toyota Corolla vor. Dies ist aber eher Zufall, da es sich bei den restlichen Bildern und den Vorschlägen für Webseiten nicht mehr um Toyotas handelt.

Ergebnisse von Bing:

Auch bei Bing kommt mehrmals die Marke Toyota in den Ergebnissen vor. Allerdings werden Modelle vorgeschlagen, die keine grosse Ähnlichkeit mit dem gesuchten Corolla haben. Ausserdem werden auch andere Automarken vorgeschlagen, weshalb man sich auch bei der Bing-Bildsuche nicht sicher sein kann, um welches Modell es sich in dem untersuchten Bild handelt.

Ergebnisse von Yandex:

Auch wenn es sich in den vorgeschlagenen Bildern nicht immer um einen Corolla handelt, lassen die Webseitenvorschläge keinen Zweifel mehr zu – beim gesuchten Modell handelt es sich um einen Toyota Corolla. Einmal mehr hat Yandex seine Arbeit erledigt.

Wieder gibt es keinen Punkt für Google in dieser Runde. Yandex hingegen punktet fleissig weiter.

Google: 0
Bing: 1
Yandex: 2

Test 3: Analoge Kamera von Nikon

Beim folgenden Bild handelt es sich um einen Screenshot aus der TV-Serie «Dexter». Darin kommt eine analoge Kamera der Marke Nikon vor. Sucht man nach «Nikon AF», so wie es auf der Kamera zu lesen ist, wird man nicht fündig, da AF lediglich für «Autofocus» steht und bei Nikon in vielen Modellen vorkommt. Wir wollen nun versuchen, anhand der Reverse Image Search das richtige Modell herauszufinden.

Ergebnisse von Google Images:

Google hat für einmal keine Probleme, das Modell der Kamera herauszufinden. Bei fast allen Ergebnissen in den Bildern handelt es sich um das exakt gleiche Modell und anhand der Ergebnisse von ähnlichen Webseiten wird klar – das gesuchte Modell ist eine Nikon L35AF.

Ergebnisse von Bing:

Hingegen schafft es Bing nicht, das gesuchte Objekt ausfindig zu machen. Die Bilder sehen sich zwar optisch ähnlich, doch die Marke Nikon taucht kein einziges Mal auf, stattdessen schlägt Bing Kameras von Canon oder Sony vor. Wieder keinen Punkt für Bing.

Ergebnisse von Yandex:

Auch beim dritten Test liefert uns Yandex das gesuchte Ergebnis. Zwar sind auf den ähnlichen Bildern auch andere Nikon-Modelle abgebildet, doch die vorgeschlagenen Websites sorgen für Gewissheit, dass es sich auf dem hochgeladenen Bild um eine Nikon L35AF handelt.

Auch in der letzten Runde punktet Yandex problemlos. Der Sieger der Challenge ist klar.

Google: 1
Bing: 1
Yandex: 3

Wie bereits oben erwähnt ist Yandex die mit Abstand beste Suchmaschine, um Reverse Image Search zu betreiben und besteht den Test mit Bravour. Bei Stockfootage und offiziellen Bilder, deren Herkunft zu überprüfen ist, kann auch TinEye verwendet werden. Damit wird man ebenfalls fast immer fündig.

Natürlich ist auch der Rechtsklick im Chrome Browser und der Befehl «Mit Google nach Bild suchen» sehr zeitsparend. Falls man dann nicht fündig ist, wisst ihr ja nun, auf welche weiteren Tools und Suchmaschinen ihr zurückgreifen könnt.

Hast du Fragen oder Inputs? Schreib mir unter kontakt@rechercheprofi.ch.

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