Tutorial

FotoForensics: Schnell und einfach Bilder untersuchen und Fakes entlarven

Hattest du schon Zweifel an der Echtheit eines Fotos, das dir im Internet begegnet ist? Wolltest du herausfinden, ob es vielleicht bearbeitet wurde, wusstest aber nicht, wie das genau geht? Die Lösung heisst FotoForensics - in diesem Tutorial erfährst du alles zu diesem nützlichen Tool.

Das Onlinetool FotoForensics ist unglaublich vielseitig und nützlich. Die Webseite stellt mehrere Anwendungen zur Verfügung, um ein Foto zu untersuchen, sie braucht allerdings etwas Übung. In diesem Tutorial werden die Basics von FotoForensics vorgestellt und anhand von Beispielen durchgespielt.

💡 Tipp: Auch mit der Reverse Image Search kann herausgefunden werden, ob ein Bild in irgendeiner Weise bearbeitet wurde. Manchmal ist dies sogar der schnellere Weg dafür. Viele Bilder, zum Beispiel Handyaufnahmen, existieren allerdings nirgendwo sonst im Internet – daher ist auch FotoForensics zur Analyse von Fotos unverzichtbar.

Auf der Startseite kann via URL oder Upload ein Foto hochgeladen werden. Um die verschiedenen Möglichkeiten von FotoForensics aufzuzeigen, habe ich folgendes Bild, das ich selbst aufgenommen habe, hochgeladen. Mit Photoshop habe ich es etwas bearbeitet.

ELA – Error Level Analysis

Sobald das Bild hochgeladen ist, erscheint links ein Kästchen mit verschiedenen Möglichkeiten, um das Foto zu untersuchen. Als erstes beschäftigen wir uns mit der sogenannten ELA (Error Level Analysis). Damit werden Unregelmässigkeiten in der Struktur eines Bildes angezeigt. Ein unkomprimiertes Bild sieht fast wie eine Negativansicht des Originalbildes aus.

Glücklicherweise sind Onlinebilder meist stark komprimiert, um schnelle Ladezeiten zu garantieren. Je komprimierter ein Bild, desto dunkler das ELA-Ergebnis, wie im Beispiel unten. So ist es einfacher, unregelmässige Stellen des Bildes zu entdecken. Auch bei diesem sind in der linken unteren Ecke solche unregelmässigen Stellen zu erkennen. Diese deuten darauf hin, dass das Bild bearbeitet wurde (Auflösung folgt).

Auch im Beispiel unten sieht man mittels ELA auf den ersten Blick, dass hier Hand angelegt wurde. Im besagten Bild wurde der Schatten des NASA-Pilots wegretuschiert. Daneben ist das Originalbild.

💡 Tipp: Das Foto unten stammt aus einer Übung von FotoForensics. Um das Tool besser kennenzulernen und die eigenen Fähigkeiten zu verbessern, sind die Übungen empfehlenswert. Alle «Challenges» gibt es hier.

Noch offensichtlichere Ergebnis liefert die ELA in einem weiteren Beispiel unten, ebenfalls aus den Challenges von FotoForensics. Im Original rechts hält Kim Jong-un einen Pass hoch, im bearbeiteten Meme links das Cover der Youtube-Sensation Gangnam Style. In der ELA-Analyse sieht man deutliche Unterschiede beim CD-Cover, sowie bei den eingefügten Kopfhörern.

Metadaten-Analyse

Metadaten sind Informationen, die zusätzlich zu einem Bild abgespeichert werden. Das kann beispielsweise das Aufnahmedatum sein, das Modell der Kamera, mit der das Bild gemacht wurde oder mit welchen Bildeinstellungen ein Bild aufgenommen wurde.

Um zu zeigen, wie mit FotoForensics die Metadaten zu einem Bild erhalten werden und wie diese interpretiert werden können, gehen wir zurück zu unserem ursprünglichen Schwanen-Bild: Wenn man im Analysis-Menu auf Metadata klickt, erscheint sogleich ein Menu mit weiteren Informationen zu dem hochgeladenen Foto. Im Bild unten kann man beispielsweise herauslesen, dass das Bild mit einer Canon 70D aufgenommen wurde. Ausserdem erfährt man unter Modify Date das Datum, an welchem das Bild bearbeitet wurde, also am 12. Juni 2020.

Beim Durchscrollen erfährt man weitere wertvolle Informationen zum Bild, beispielsweise dass es mit Photoshop bearbeitet wurde. Unter Date/Time Created sehen wir das Datum, an welchem das Bild ursprünglich aufgenommen wurde, im März 2015. Im Folgenden sind die Informationen der Metadaten nochmals aufgeführt und beschrieben:

  • File

Enthält alle Informationen zum hochgeladenen Bild, beispielsweise der Filetyp (JPG, PNG, GIF, …) oder die Grösse des Bildes (width, height). Auch der

  • EXIF (Exchangable Image File Format)

Unter EXIF sind Informationen zur Machart des Bildes gesammelt. Mit welcher Kamera wurde das Bild aufgenommen? Welche Einstellungen? Wurde der Blitz benutzt? Nützlich ist auch der Vergleich von Create Date und Modify Date. Ersteres ist das Datum, an welchem das Bild mit der Kamera aufgenommen wurde. Das Modify Date zeigt an, wann das hochgeladene Bild abgeändert wurde und mit welcher Software.

  • IPTC (Format zur Metadaten-Speicherung)

Hier kann man nachlesen, um welche Uhrzeit das Bild aufgenommen wurde. Dies kann man allerdings bereits aus dem Create Date im EXIF-Menu entnehmen.

  • Photoshop

Falls das hochgeladene Bild, wie in diesem Fall, mit Photoshop bearbeitet wurde, wird dies in den Metadaten in einem eigenen Menu aufgeführt. Hier können Informationen wie die genaue Version von Photoshop oder die Qualität beim Abspeichern herausgelesen werden.

  • XMP (Extreme Memory Profile)

Ohne auf die genaue Bedeutung von XMP näher einzugehen, sind unter diesem Menupunkt nochmals alle relevanten Details des Bildes aufgelistet, zum Beispiel Metadata Date, Creator Tool, Date Created und so weiter.

  • ICC_Profile (International Color Consortium)

Dabei handelt es sich um einen genormten Farbsatz, welcher die Abbildung des Bildes bestimmt. Spannend ist hier vor allem, dass man mittels des ICC_Profile das Gerät herausfindet, mit dem das hochgeladene Bild hochgeladen wurde. In meinem Fall ist dies ein Laptop von Hewlett-Packard.

  • Composite

Hier sind die Details der Kameraeinstellung beim Aufnehmen des Bildes aufgeführt. Dazu gehören Shutter Speed (Verschlusszeit), Create Date, Megapixels oder auch die Linse, welche benutzt wurde.

💡 Tipp: Beim Abspeichern eines Fotos hat man die Möglichkeit, die Metadaten zu entfernen. Da bei Fake-Bildern im Internet diese Metadaten meist nicht mehr abrufbar sind, ist die Analyse mittels ELA etwas vielversprechender, um Fakes zu entlarven.

Nun hast du einige Basics von FotoForensics erfahren. Wichtig zu bemerken ist hier noch, dass dieses Tool lediglich bei digitalen Manipulationen behilflich sein kann. Falls du noch mehr über FotoForensics erfahren möchtest, gibt es hier ein ausführliches Tutorial zu allen Möglichkeiten von FotoForensics.

💡 Tipp: Um bei unschlüssigen Ergebnissen eine zweite Referenz zu haben, kannst du zusätzlich Forensically benutzen. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Webseite mit ähnlichen Tools wie FotoForensics.

Und nun noch die Auflösung des bearbeiteten Bildes:

Bonus:

Wenn du selbst die Metadaten von einem Bild entfernen willst, kannst du dies mit einem einfachen Rechtsklick auf das entsprechende Bild tun.

Beim geöffneten Fenster klickst du auf Details, um sämtliche Metadaten einzusehen. Unter Eigenschaften und persönliche Informationen entfernen kannst du die Metadaten von deinem Bild entfernen.

💡  Tipp: Mit dem Online-Tool ExifPurge kannst du die Metadaten bei mehreren Bildern gleichzeitig entfernen.

Hast du Fragen oder Inputs? Schreib mir unter kontakt@rechercheprofi.ch.

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