Podcast

Netzgetuschel #1: Unterwegs im Darknet (mit Otto Hostettler, Beobachter)

Im ersten "Netzgetuschel"-Podcast dreht sich alles um das Darknet, den dunklen Teil des Internets. Ausserdem erfährst du im anschliessenden Tutorial, wie man ins Darknet gelangt und was darin zu beachten ist.

In der ersten Folge des Podcasts „Netzgetuschel“ tauchen wir ab in die dunkleren Ecken des Internets. In den nächsten knapp 50 Minuten dreht sich alles rund um das Darknet. Vielleicht hast du diesen Begriff schon einmal in den Medien oder anderswo aufgeschnappt. Beispielsweise, als bekannt wurde, dass der 18-jährige Attentäter auf ein Einkaufszentrum in München von 2016 seine Schusswaffe aus dem Darknet bezog, oder als der Gründer von Silk Road, einem von zahlreichen illegalen Marktplätzen im Darknet zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Das Darknet bezeichnet den Teil des Internets, welcher mit normalen Browsern und Suchmaschinen nicht zugänglich ist. Einerseits braucht man einen speziellen Browser (siehe Tutorial), um in das Darknet zu gelangen, andererseits sind die Webseiten, welche zu diesem Teil des Internets gehören, verschlüsselt. Eine Besonderheit dieser Webseiten ist auch, dass allesamt mit der Domain .onion enden – und können somit von Chrome, Firefox und Co. nicht geöffnet werden.

Der Tor-Browser, mit dem man ins Darknet gelangt, wurde ursprünglich The Onion Router genannt. Denn die Verschlüsselung von Tor kann man sich ähnlich wie die vielen Schichten einer Zwiebel vorstellen: Alle Daten werden über viele verschiedene Netzwerkknoten, sogenannte Nodes, an den Nutzer gesendet. Nach und nach, im Schnitt alle zehn Minuten, fallen die ersten Knoten dieser Verschlüsselungskette wieder weg – wie die Schichten der Zwiebel. So bietet Tor eine höhere Sicherheit und Schnüfflern und Hackern wird es praktisch unmöglich gemacht, Einblick in die Aktivitäten eines Nutzers zu erhalten.

Das Darknet soll eine unzensierte und unbewachte Alternative zum herkömmlichen Internet bieten. Dies kann und wird durchaus zum Guten verwendet. So ist es beispielsweise möglich, in Ländern wie China, Türkei oder dem Iran, in denen der Internet- und Medienkonsum staatlich reguliert wird, sich frei im Darknet zu bewegen und auch Medien konsumieren zu können, die in den jeweiligen Ländern gesperrt sind. Das Darknet bietet auch einen sicheren Austausch mit Whistleblowern und anderen Informanten. Der Ruf des Darknets ist aber eher negativ, denn die erhöhte Anonymität und Sicherheit lockt auch Verbrecher und düstere Gestalten an. Darin tummeln sich, wie oben erwähnt, zahlreiche Marktplätze und Shops, auf denen praktisch alles erworben werden kann – von Drogen, Waffen und gefälschten Pässen bis hin zum völlig sicheren und problemlosen Attentat auf eine Person seiner Wahl.

Wie viele dieser Angebote tatsächlich echt sind, und hinter welchen Angeboten sich Betrüger verbergen, die sich an naiven Nutzern bereichern wollen, ist schwer zu erfassen. Mein Gesprächspartner in dieser Folge ist Otto Hostettler. Mit ihm werde ich darüber diskutieren, ob der schlechte Ruf des Darknets gerechtfertigt ist und was an den ganzen Mythen, die sich um das Darknet ranken, wirklich dran ist.

Otto Hostettler arbeitet seit 13 Jahren beim Schweizer Beobachter als Reporter und Redaktor. Insgesamt kann er über 25 Jahre Berufserfahrung im Journalismus vorweisen. Ausserdem unterrichtet er auch für das Schweizerische Radio und Fernsehen SRF in einem Recherchekurs und ist Mitgründer des Recherchekollektivs investigativ.ch. 2017 ist sein Buch «Darknet – Die Schattenwelt des Internets» erschienen, für das er sich über zwei Jahre hinweg mit dem Darknet und vor allem auch den illegalen Marktplätzen im Darknet beschäftigt. Dabei kam er unter anderem auch mit «Edelweiss» in Kontakt, einem Schweizer, der bis vor kurzem im grossen Stil Cannabis im Darknet vertrieben und sich damit seinen Lebensunterhalt verdient hat.

Und nun viel Spass mit der ersten Folge „Netzgetuschel“.

So gelangst du ins Darkweb (und was darin zu beachten ist)


1. Um Zutritt zum Darknet zu erlangen, benötigst du den Tor-Browser. Du kannst ihn hier herunterladen.

Wähle auf dem obigen Link den entsprechenden Download für dein Betriebssystem aus. Folge nach dem Download den Anweisungen und installiere den Tor-Browser auf deinem Gerät.

2. Öffnest du den Tor-Browser, erscheint ein Startbildschirm mit einem Suchfeld. Die Standard-Suchmaschine in Tor ist DuckDuckGo, die keine persönlichen Daten des Nutzers sammeln soll.

Suchanfragen mit DuckDuckGo liefern aber (hauptsächlich) die gleichen Ergebnisse, wie beispielsweise Google oder Yahoo. Man befindet sich also noch nicht im Darknet.

3. Dies liegt daran, dass Webseiten des Darknets nicht mittels normaler Suchmaschinen gesucht werden können, da Webseiten mit der Endung .onion von der Websuche ausgeschlossen werden. Man benötigt meist den exakten Link, um auf solche Seiten zu gelangen.

Allerdings gibt es mehrere Webseiten, auf denen nach Darknet-Seiten gesucht werden kann. Ausserdem existieren mehrere Linklisten mit zahlreichen .onion-Webseiten. Unten sind einige Links aufgelistet, um ins Darknet zu gelangen (die natürlich nur mit dem Tor-Browser geöffnet werden können.)

Was im Darknet unbedingt zu beachten ist

  • Installiere keine Plugins in deinem Tor-Browser

Es ist sehr zu empfehlen, keine Plugins im Tor Browser zu installieren. Diese funktionieren anders als die Technologie von Tor und könnten diese bei ihrer Arbeit behindern. Das heisst im schlimmsten Fall, dass Tor deine Aktivität im Internet nicht mehr wie üblich verschlüsseln kann und deine IP-Adresse und Aktivitäten sichtbar werden. Weiter kann ein Plugin auch selbst infiziert sein oder so konzipiert, dass es deine Daten absaugt.

  • Gib niemals deinen richtigen Namen, deine Adresse oder sonstige Informationen über deine Person an

Surfen im Tor-Browser ist generell sehr sicher, da es dich mit seinem Verschlüsselungsprozess vor Angriffen schützt. Dennoch solltest du vorsichtig bleiben. Gib niemals in einem Formular oder Forum, das dir verdächtig vorkommt, irgendwelche persönlichen Informationen an. Das beinhaltet Namen, Adresse oder Bankverbindungen. Wer dir böses will, kann mit diesen Informationen alles Mögliche anstellen (Stichwort: geleakte Kreditkarten im Darknet).

Gleiches gilt übrigens auch für Bilder oder Videos, die du selbst gemacht hast. Auch wenn die Metadaten (Aufnahmedatum, Aufnahmeort, Kamera, etc.) entfernt wurden, können diese Medien trotzdem noch genug Informationen enthalten, um vieles über dich und deine Aktivitäten im Darknet herauszufinden.

  • Lade (generell) keine Dateien oder Dokumente aus dem Darknet herunter

So verlockend die Angebote, die einem im Darknet manchmal begegnen, auch klingen mögen, ladet nichts herunter – und öffnen schon gar nicht. Wie auch viele Anzeigen in Shops und Marktplätzen darauf abzielen, den Käufer über den Tisch zu ziehen, so ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Dokumente aus dem Darknet Viren und Trojaner enthalten, die deine Anonymität und deine Daten bedrohen. Generell gilt: Traue niemandem im Darknet.

Falls du trotzdem mit Dateien und Dokumenten aus dem Darknet in Berührung kommst und diese öffnen musst, zum Beispiel weil es dein Job ist (Journalisten, Ermittler, …), kannst du das Tool Dangerzone benutzen. Diese Anwendung wandelt potenziell schädliche und gefährliche Dateien, Bilder und weitere Dokumente in sichere PDFs um. Falls du mehr über Dangerzone erfahren möchtest, folge diesem Link.

  • Halte deinen Tor-Browser und Virenscanner immer auf dem neusten Stand

Wie bei den meisten Programmen werden auch beim Tor-Browser mit jedem Update Fehler und Sicherheitslücken behoben, um Tor noch sicherer zu machen. Deshalb solltest du den Browser immer auf dem neusten Stand halten (derzeit Version 9.5). Ausserdem sollte der Tor-Browser nur über die offizielle Webseite torproject.org heruntergeladen werden. Auf andere Webseiten, besonders im Darknet, die den Download oder ein Update des Tor-Browsers anbieten, sollte verzichtet werden.

Auch von den zahlreichen Tor-Alternativen, die im Apple Store erhältlich sind, sollte abgesehen werden. Die offizielle Version des Tor Browser ist derzeit noch nicht für Apple-Geräte verfügbar. Allerdings kann Tor für Android heruntergeladen werden.

Hast du Fragen oder Inputs? Schreib mir unter kontakt@rechercheprofi.ch.

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